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Tech4Green bei der Salz 2026: Paneldiskussion zeigt konkrete Wege der Dekarbonisierung

Im Rahmen unseres Interreg-Projekts BioH2Region fand am 11. März 2026 das Panel „Tech4Green“ auf der Salz 2026 im Messezentrum Salzburg statt. Vertreter aus Energiewirtschaft, Industrie, Immobilienwirtschaft, Startup-Szene, Finanzierung und Förderlandschaft diskutierten darüber, wie Europa eine nachhaltige Energieversorgung sichern und gleichzeitig seine industrielle Stärke erhalten kann. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie der europäische „Clean Industrial Deal“ praktisch umgesetzt werden kann und welche Rolle grüne Gase im Speziellen spielen.

Bereits zu Beginn wurde deutlich: Der Ausbau erneuerbarer Energien ist eine zentrale Voraussetzung für die Dekarbonisierung der Wirtschaft. Josefine Gruber von Verbund betonte, dass Wind- und Photovoltaikanlagen massiv ausgebaut werden müssten. Ziel sei, bis 2030 rund ein Viertel des Strombedarfs aus diesen Quellen zu decken. Gleichzeitig werde intensiv an Speicherlösungen gearbeitet – von Pumpspeicherkraftwerken bis zu neuen Batterietechnologien und Wasserstoff als saisonalem Energiespeicher. Entscheidend sei grundsätzlich ein technologischer Mix statt einer einzelnen Lösung.

Auch in der energieintensiven Schwerindustrie schreitet die Transformation voran. Andre van Bennekom vom Stahlwerk Annahütte berichtete, dass sein Unternehmen bereits in einen neuen Ofen investiert habe, der eine Beimischung von bis zu 30 Prozent Wasserstoff zu Erdgas ermöglicht. Langfristiges Ziel sei es, Erdgas vollständig durch Wasserstoff zu ersetzen. Eine der größten Herausforderungen bleibe jedoch die fehlende Infrastruktur – etwa Pipelines für den Transport von Wasserstoff.

Ein weiteres großes Feld der Energiewende ist der Gebäudesektor. Hier präsentierte das Salzburger Startup EnerCube eine Lösung, die Wärmepumpen schneller und skalierbarer in Mehrparteienhäusern installieren soll. Gründer David Riedl erklärte, dass komplette Heizsysteme in einem vorgefertigten Container geliefert und vor Ort lediglich angeschlossen werden. Dadurch könne ein Heizungstausch statt Monate nur noch wenige Tage dauern. Besonders im Mehrparteienhausbereich sei der Effekt groß, da dort deutlich mehr fossile Energie verbraucht werde als in Einfamilienhäusern.

Olaf Weber vom Immobilienkonzern Vonovia betonte, dass Klimaschutz im Gebäudesektor nur im Zusammenspiel aller Beteiligten gelingen könne. Staat, Vermieter und Mieter müssten gemeinsam Lösungen finden, damit Investitionen in Fernwärme und Wärmepumpen langfristig bezahlbar bleiben. Effiziente Technologien und ein bewusster Energieverbrauch der Bewohner seien dabei entscheidend. Für die Zukunft sieht er einen Energiemix aus etwa 50 Prozent Fernwärme und 50 Prozent Wärmepumpen in den eigenen Immobilien. Wasserstoff könnte künftig als Speicher für überschüssige erneuerbare Energie dienen. Ein Pilotprojekt hat Vonovia bereits umgesetzt, doch derzeit verhindert vor allem die hohe Kostenstruktur eine Umsetzung im Gebäudesektor.

Neben Technologie und Infrastruktur spielt auch Kapital eine zentrale Rolle. Investor Timo Bertsch vom High-Tech Gründerfonds verwies auf den stark steigenden Strombedarf – allein in Deutschland könnte er sich bis 2035 auf rund 1.000 Terawattstunden verdoppeln. Diese Entwicklung eröffne enorme Marktchancen für neue Energietechnologien. Allerdings fehle Europa häufig das Kapital für große Skalierungsschritte, während die USA von einem einheitlicheren Kapitalmarkt profitieren.

Unterstützung kommt aus der europäischen Förderlandschaft. Andrea Hoffmann von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) hob hervor, dass österreichische Unternehmen sehr erfolgreich EU-Fördermittel einwerben. Im Programm „Horizon Europe“ fließen sogar mehr Mittel nach Österreich zurück, als das Land einzahlt. Besonders im Energiebereich gebe es umfangreiche Fördermöglichkeiten für Projekte zur Dekarbonisierung der Industrie.

Zum Abschluss des Panels waren sich alle Teilnehmer in einem Punkt einig: Die Technologien für eine klimaneutrale Industrie sind bereits vorhanden, ebenso die Investitionsbereitschaft vieler Unternehmen. Entscheidend für den Erfolg des „Clean Industrial Deal“ sei nun vor allem, dass alle am gleichen Strang ziehen. Fazit: Schnellere Umsetzung, weniger Bürokratie und eine enge Zusammenarbeit zwischen Industrie, Politik, Forschung und Investoren. Durch Vernetzung, Wissenstransfer und praxisnahe Analysen trägt auch das Projekt BioH2Region dazu bei, diese Ansätze in der Region Bayern-Österreich konkret umzusetzen.

Seitens des Projektpartners Innovation Salzburg als Organisator der Podiumsdiskussion bedanken wir uns bei unseren Gästen: Josefine Gruber (Verbund AG), Andre van Bennekom (Stahlwerk Annahütte Max Aicher GmbH & Co. KG), David Riedl (EnerCube GmbH), Olaf Weber (Vonovia SE), Timo Bertsch (High-Tech Gründerfonds GmbH), Andrea Hoffmann (FFG) und Moderator Marc Semmler. Weitere Details können gerne bei Werner Balika (Innovation Salzburg) erfragt werden.