16. Februar 2026 | Technologiezentrum Energie & CENTOURIS
Nachbericht zur ersten Roadshow auf bayerischer Seite
Wie kann die Transformation hin zu einer klimaneutralen Energieversorgung für KMU in Bayern und Österreich gelingen? Dieser Frage ging die erste Roadshow auf bayerischer Seite nach. Im Fokus standen dabei die effiziente Produktion, Speicherung und Bereitstellung von grünem Wasserstoff über Unternehmens- und Landesgrenzen hinweg. Dafür brachte die Roadshow Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft zusammen, um praxisnahe Lösungen für den bayerisch-österreichischen Grenzraum zu diskutieren.
Einblicke aus Oberösterreich: Forschung auf hohem Niveau
Die grenzüberschreitende Synergie zwischen Bayern und Österreich bildet den Kern von BioH2Region und wird besonders in der Zusammenarbeit der beiden Forschungseinrichtungen TZE und FH Oberösterreich vorangetrieben. Dass diese Zusammenarbeit bereits Früchte trägt, zeigte der Beitrag von Dr. Tim Bieringer (FH Oberösterreich). Er präsentierte das neue Wasserstoff-Forschungszentrum Wels, das mit einem Projektvolumen von 12,7 Millionen Euro und modernsten Testanlagen die industrielle Anwendung von Wasserstoff vorantreibt – in direkter Kooperation mit dem Mittelstand.
Innovative Speicherlösungen gegen globale Abhängigkeit
Ein kritischer Punkt der Wasserstoffwirtschaft ist bisher die Speicherung. Lukas Renz vom österreichischen Unternehmen HydroSolid verdeutlichte, dass dezentrale Speicherlösungen die Abhängigkeit von globalen Lieferketten und geopolitischen Krisen drastisch reduzieren können. Er stellte eine bahnbrechende Alternative zu herkömmlichen Druckspeichern vor: Ein Nanopolymer, das Wasserstoff auf atomarer Ebene bindet. Diese Technologie ermöglicht eine höhere Speicherdichte bei geringerem Platzbedarf und wird bereits erfolgreich in ersten Pilotprojekten wie der Luegberghütte eingesetzt.
Infrastruktur: Das "Henne-Ei-Problem" lösen
Alexander Maier von der Maier & Korduletsch Gruppe adressierte die logistischen Herausforderungen. Damit die Wasserstoffwirtschaft abhebt, müssen Infrastruktur und Nachfrage synchron wachsen. Maier illustrierte dies am Beispiel regionaler Leuchttürme:
- Mobility Hub Passau-Sperrwies: Ein bereits aktives Zentrum mit H2-Tankstelle für Nutzfahrzeuge und intelligentem Energiemanagement.
- Mobility Hub Pocking: Ein geplantes Zentrum im Gewerbegebiet Königswiese, das perspektivisch über einen eigenen Elektrolyseur zur autarken Erzeugung verfügen soll.
- Pipeline-Ausbau: Die Planung einer ersten operativen Pipeline von Oberösterreich nach Bayern sowie der Aufbau eines 300 km langen bayerischen Wasserstoffnetzes bis 2030 setzen die notwendigen Rahmenbedingungen.
Podiumsdiskussion und Fazit: Mut zur Anwendung
In der abschließenden Diskussionsrunde beleuchteten die Experten die zentralen Herausforderungen beim Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft und waren sich einig: Innovationen dürfen nicht im Labor verharren.
- Prof. Dr. Raimund Brotsack vom Projekt BioH2Region plädierte für ein gemeinschaftliches, übergeordnetes Denken.
- Alexander Maier forderte einen offeneren regulatorischen Rahmen, der neben der Elektrolyse auch andere Herstellungswege – wie Wasserstoff aus Biomasse – stärker berücksichtigt.
- Lukas Renz unterstrich, dass erst der Markteintritt die tatsächliche Tragfähigkeit von Technologien beweist und wichtige volkswirtschaftliche Impulse setzt.




