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Energieversorgung neu denken – Grüne Gase als Baustein für Energieresilienz

3. Juni 2026 | Business Upper Austria

Grüne Gase - Grüne Zukunft: Energieresilienz für Industrie und KMU

Wie können Industrie und KMU ihre Energieversorgung resilienter, regionaler und unabhängiger gestalten? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Veranstaltung “Grüne Gase – Grüne Zukunft: Energieresilienz für Industrie und KMU” am 19. Mai in Linz. Rund 40 Interessierte diskutierten, welche Rolle grüne Gase künftig in der betrieblichen Energieversorgung spielen können. Das Fazit: Es gibt viele Gründe, die für grüne Gase sprechen, der Preis ist es jedoch derzeit noch nicht. Für Unternehmen liegen die Vorteile vor allem in der Versorgungssicherheit, der regionalen Wertschöpfung, der saisonalen Speicherfähigkeit und der Reduzierung von Abhängigkeiten.

Christoph Dolna-Gruber von der Österreichischen Energieagentur zeigte auf, wie stark Österreich derzeit von den internationalen Entwicklungen auf dem europäischen Gasmarkt abhängig ist. Gas macht rund 20 Prozent des österreichischen Energieverbrauchs aus, wovon wiederum 90 bis 95 Prozent importiert werden. Das bedeutet, dass sich Preisentwicklungen, geopolitische Unsicherheiten und Lieferketten direkt auf Unternehmen auswirken. Die Eigenerzeugung von grünem Gas kann diese Abhängigkeiten verringern.

Grüne Gase als "Winterenergie"

Die Rolle von grünem Gas als saisonaler Energiespeicher wurde als besonders relevant angesehen. Während die Verfügbarkeit von erneuerbarem Strom stark schwanken kann, bietet Gas die Möglichkeit, Energie über längere Zeiträume zu speichern und bei hohem Energiebedarf, beispielsweise im Winter, zu nutzen. Für Unternehmen sind grüne Gase zwar keine alleinige Lösung, aber ein Baustein in einem resilienten Energiesystem. Entscheidend ist, welche Lösung zum jeweiligen Standort, zu den Prozessen und zum Energiebedarf passt. Die optimale Technologie ergibt sich aus dem Zusammenspiel von erneuerbaren Energiequellen, Speichertechnologien, technischer Reife, Infrastruktur und konkreten Betriebsanforderungen.

Technologien mit Entwicklungspotenzial

Die Veranstaltung zeigte, dass grünes Gas unter passenden Rahmenbedingungen eine wettbewerbsfähige Energiequelle sein kann. Christoph Strasser von der BEST – Bioenergy and Sustainable Technologies betonte jedoch gleichzeitig, dass es noch Innovationspotenzial gibt. So bieten etwa Elektrofermentation oder thermochemische Verfahren wie die Erzeugung von synthetischem Methan, Wasserstoff oder die direkte Nutzung von Gasen weitere Perspektiven.

Praxisbeispiele zeigen Potenziale

Daniel Schürz von Biogas Trattnachtal zeigte auf, wie die Aufbereitung von Biogas zu Biomethan sowohl wirtschaftlich als auch strategisch sinnvoll sein kann. Zentrale Entscheidungsfaktoren seien die bestehende Infrastruktur, gesicherte Abnahmeverträge, regionale Ressourcen und der Wunsch, Energie aktiv mitzugestalten. Anschließend erläuterte Leopold Berger von Wels Strom die technische Grundlage der Aufbereitungsanlage. Auch bei VFI sei die Entscheidung für die Biogasanlage am Standort aus konkreten betrieblichen Herausforderungen entstanden, betonte Florian Rauch. In der Produktion fallen Reststoffe wie Schalen, Ausputz und Filterkuchen an, die sinnvoll verwertet werden müssen. Mithilfe der Biogasanlage können diese Stoffströme energetisch genutzt und die Kreislaufwirtschaft direkt am eigenen Standort umgesetzt werden.

Gesicherte Entscheidungsgrundlage für Unternehmen

Wie eine Energiezellenmodellierung im Projekt BioH2Region abläuft, zeigten Nayrana Daborer-Prado von der Fachhochschule Wels und Pariya Kiani vom Technologiezentrum Energie. Dabei werden der Unternehmensstandort, mögliche Technologien, die passende Dimensionierung sowie das Gesamtsystem analysiert. Ziel ist es, Unternehmen eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu geben: Welche erneuerbaren Quellen und Reststoffe sind verfügbar? Welche Technologien passen zum Standort? Wie groß müsste eine Anlage dimensioniert sein?

Jetzt Potenziale prüfen

Unternehmen, die ihre eigenen Potenziale prüfen möchten, können im Rahmen des Interreg-Projekts BioH2Region eine Energiezellenmodellierung durchführen. Interessierte Betriebe wenden sich bitte an die CTC-Projektmanagerin Julia Weyermayr vom Projektpartner Business Upper Austria.

Kontakt:
Julia Weyermayr
E-Mail: julia.weyermayr@biz-up.at
Tel.: +43 664 780 53680