25. Juni 2026 | Innovation Salzburg & Lagermax Straßwalchen
Wie können Grüne Gase wie Wasserstoff und Biomethan einen entscheidenden Beitrag zur Energiewende leisten und welche Rolle spielen sie künftig in der Logistik, Industrie und Energieversorgung? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Salzburger Roadshow „Roundtable Wasserstoff“, zu der Innovation Salzburg gemeinsam mit der Industriellenvereinigung Salzburg und Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice (BGLW) eingeladen hatten. Gastgeber war die Lagermax Gruppe am Standort Straßwalchen, wo Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft aktuelle Entwicklungen und konkrete Anwendungsbeispiele rund um den Energieträger Wasserstoff präsentierten.
Schwerlastverkehr: Wo Batterien an Grenzen stoßen
Den Auftakt machte die Lagermax Gruppe mit einem Blick auf die Herausforderungen der Transportbranche. Vorstandsmitglied Alexander Friesz sowie die Geschäftsführer der Lagermax Autotransport GmbH, René Eisbrich und Florian Arnezeder, machten deutlich, dass batterieelektrische Antriebe insbesondere im internationalen Schwerverkehr an ihre Grenzen stoßen. Prognosen zufolge könnte der jährliche Strombedarf der deutschen Logistikbranche bis 2045 auf rund 186 Terawattstunden steigen. Nur etwa elf Prozent dieses Bedarfs könnten nach heutigen Berechnungen durch Photovoltaik gedeckt werden. Für den Langstreckentransport seien daher ergänzende Technologien erforderlich. Gleichzeitig präsentierte Lagermax den firmeneigenen SunPark Straßwalchen mit einer Photovoltaikleistung von rund 2.400 kWp, dessen Stromüberschüsse künftig beispielsweise zur Wasserstoffproduktion genutzt werden könnten.
Bio-Wasserstoff mit negativer CO₂-Bilanz
Dass Wasserstoff nicht ausschließlich mittels Elektrolyse erzeugt werden kann, erläuterte Prof. Dr. Raimund Brotsack, Studiengangsleiter an der Technischen Hochschule Deggendorf und Leiter der Forschungsgruppe Grüne Moleküle am Technologiezentrum Energie (TZE). Während Batterien vor allem als Kurzzeitspeicher geeignet seien, brauche die Energiewende langfristige Speicherlösungen in Form grüner Gase. Im Fokus seiner Forschung stehen Bio-Wasserstoff und Biomethan aus biogenen Rest- und Abfallstoffen. Durch thermochemische Verfahren wie die Pyrolyse entstehen dabei Wasserstoff und fester Kohlenstoff, der beispielsweise in Batterien oder der Baustoffindustrie für Ziegel eingesetzt werden kann. Der besondere Vorteil ist, dass dieser Wasserstoff sogar eine negative CO₂-Bilanz aufweist.
Praxisnahe Unterstützung: Das Projekt BioH2Region
Dr. Bernhard Zettl, Senior Researcher an der FH Oberösterreich, stellte das neue Wasserstoff-Forschungszentrum am Campus Wels vor und erläuterte unter anderem Forschungsarbeiten zu Wasserstoffbrennern für industrielle Prozesse, zur Wasserstoffversprödung von Metallen und Kunststoffen sowie zu Brennstoffzellensystemen für den Einsatz auf Schiene und Straße. Weitere Schwerpunkte sind die Analyse der Wasserstoffqualität mittels Massenspektrometrie sowie die Entwicklung von Technologien zur Gastrennung, Gasspeicherung und Methanisierung von CO₂. Im Projekt BioH2Region werden zudem Unternehmen und Gemeinden bei der Auswahl geeigneter Energietechnologien unterstützt. Am Beispiel einer mittelgroßen Bäckerei zeigte Zettl auf, unter welchen Voraussetzungen Wärmepumpen, elektrische Öfen oder Wasserstoff wirtschaftlich sinnvoll eingesetzt werden können.
Aufbau regionaler Wasserstoff-Ökosysteme bis 2030
Wie der Aufbau einer regionalen Wasserstoffwirtschaft gelingen kann, erläuterten Martin Zerta, Geschäftsführer der Ludwig-Bölkow-Systemtechnik (LBST), und Konstantin Frohnhöfer. Im Mittelpunkt stand die Initiative H2Hub Südbayern, deren Ziel es ist, bis 2030 ein flächendeckendes Wasserstoff-Ökosystem aufzubauen. Geplant sind öffentliche Wasserstofftankstellen entlang wichtiger Verkehrsachsen – unter anderem in Piding nahe der österreichischen Grenze sowie an mehreren Standorten im Großraum München. Parallel dazu sollen Speditionen und andere Unternehmen beim Umstieg auf wasserstoffbetriebene Sattelzugmaschinen unterstützt werden. Das Konzept verfolgt bewusst einen ganzheitlichen Ansatz: Fahrzeuge, Tankstellen, Wasserstoffversorgung und Service werden gemeinsam geplant, um einen wirtschaftlichen Betrieb sicherzustellen.
Saisonale Speicher und das „Startnetz“ für die Industrie
Den Blick auf die großtechnische Umsetzung richteten abschließend Thomas Pleßnitzer und Stephan Bauer von der RAG Austria AG gemeinsam mit Martin Rainer von der Salzburg AG. Im Mittelpunkt der Kooperation beider Unternehmen steht die saisonale Speicherung erneuerbarer Energie. Überschüssiger Sonnenstrom wird dabei zur Elektrolyse genutzt und in Wasserstoff umgewandelt. Dieser kann in unterirdischen Gasspeichern zwischengespeichert und im Winter entweder direkt genutzt oder nach Einspeisung ins Gasnetz für Wärme- und Stromerzeugung bereitgestellt werden. Die RAG Austria beschäftigt sich bereits seit über 10 Jahren mit der unterirdischen Wasserstoffspeicherung und hat im Demonstrationsprojekt Rubensdorf inzwischen den dritten erfolgreichen Speicherzyklus abgeschlossen. Nach Einschätzung des Unternehmens ist die Technologie heute bereit für die industrielle Skalierung. Vorgestellt wurden außerdem Pläne für ein Wasserstoff-Startnetz in Oberösterreich mit perspektivischer Anbindung Salzburgs und Bayerns.
Ein starkes Signal für die Region
Im Anschluss an die Fachvorträge erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei einer Werksführung durch den Lagermax-Standort in Straßwalchen Einblicke in die Infrastruktur und die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten nachhaltiger Energieträger im Logistikbereich.
Seitens Innovation Salzburg, IV Salzburg und BGLW als Organisatoren der Veranstaltung bedanken wir uns bei unserem Gastgeber, den Vortragenden und allen Teilnehmer:innen. Weitere Details können gerne bei Werner Balika (Innovation Salzburg) erfragt werden.
Kontakt:
Dr. Werner Balika
E-Mail: werner.balika@innovation-salzburg.at
Tel.: +43 5 7599 722 73















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